Kanada ein Traumland für jede Jägerin, jeden Jäger. Unendliche Wälder, intakte Landschaften und eine vielfältige Tierwelt zeichnen dieses Land über dem Ozean aus. Unser Korrespondent John Stucki lebt zeitweise in Kanada.
Von John Stucki,
Der Sommer hier in den immensen Wäldern Kanadas ist restlos ausgefüllt
mit Arbeiten im und ums Haus. Etwas Zeit bleibt dennoch, um dem in
dieser Jahreszeit in die Haupt-flüsse aufsteigenden Lachs nachzustellen.
Meistens frühmorgens und abends. Der Atlantiklachs kehrte dieses
Jahr mit etwas Verspätung von seiner langen Reise im
Nordatlantik zurück, aber dann durften sich die Sportfischer
an recht zahlreichen Fängen freuen. Von diesem faszinierenden
Fisch, welcher auf seiner Reise in die
Laichgründe tausend Hindernisse bewältigt, vielleicht in
einer späteren Ausgabe.
Mein morgendlicher Weg zum Hauptfluss führt entlang einer Naturstrasse,
welche nach Regengüssen aufgeweicht ist und viele Pfützen
aufweist. Hier tummeln sich im Morgengrauen und beim Einnachten die
ersten Schnepfen, welche mit Vorliebe im aufgeweichten Boden nach
Nahrung suchen. Diese grazilen Schnellflieger rasten auf ihrer Rückreise
von der Arktis in unseren Wäldern. Bejagt werden dürfen
sie nicht vor anfangs Oktober. Das Gleiche gilt übrigens für
das Moorhuhn (engl. Grouse).
In den Sommermonaten führt die stolze Henne ihre Brut spazieren.
Vor allem nach Regennächten beobachtet man sie dann oft an den
Wegrändern, wo sie zum Nahrungsausgleich
und zwecks Zuführung von lebenswichtigen Mineralien
kleine Steinchen aufpicken.
Die Überlebenschance der Jungvögel beträgt
wohl kaum viel mehr als 50%, die Feinde sind zahlreich und allgegenwärtig,
vor allem Koyoten, Wildkatzen, Greifvögel und wildernde Haustiere.
Viele der Jungen, noch nicht so flugerprobt
wie die Mutter, fallen dem Verkehr zum Opfer.
Den Weisswedelhirsch sehen wir zu dieser Jahreszeit,
wenn überhaupt, nur nachts. Das Territorium ist so immens, die
Verstecke so dicht und die natürlichen Feinde überall.
Ende Juni durfte ich direkt unterhalb des Hauses im
zum rundstück gehörenden Fluss eine Mutter mit zwei Jungen
(beim Weisswedelhirsch normalerweise ein männliches und ein weibliches
Jungtier) beim morgendlichen Bad beobachten.
Die Kleinen gebärdeten sich wie toll und führten wahre Freudensprünge
aus. Ein Leckerbissen für den stillen Beobachter.
Mehr und mehr verdrängt der Elch in unseren Breitengraden den
Weisswedelhirsch. Obschon man den Elch im Sommer nicht so oft beobachten
kann wie etwa während der herbstlichen Brunft, so trifft man
die langbeinigen Tiere auch im Sommer ab und zu an. Zur fortgeschrittenen
Abendstunde schält sich der Elch aus dem Dickicht und
kommt zu den offenen Sumpfstellen und mitunter an die Flussläufe,
um sich der Mücken zu entledigen, aber auch zur Wasseraufnahme.
Der Schwarzbär ist allgegenwärtig, auch wenn man ihn natürlich
nicht auf Schritt und Tritt sieht.
Wir haben zu dieser Jahreszeit (Juli) einen schönen Bonus: die
Pfifferlinge (Eierschwämme) spriessen so zahlreich, dass wir
sie unweit unserer Behausung nicht zu suchen brauchen, sondern ganz
einfach zusammenlesen können. Dabei sind wir hier etwa die Einzigen,
welche Pilze sammeln; die Einheimischen (wohl aus Aberglaube) kümmern
sich überhaupt nicht darum. Auch Steinpilze gehören zu unserem
Menüplan. Auf einer dieser Pilzsammeltouren sehen wir dreihundert
Meter vom Hause eine frische Bärenspur.
Weil der Schwarzbär sich im Sommer ziemlich territorial verhält,
ist es dann jeweils eine Frage der Zeit, bis man Meister Petz begegnet.
Hätten wir eine Abfallgrube, dann würde der Bär dort
regelmässig anlaufen. Im September ist
er aber dann ein nächtlicher Gast in unserem alten Obstgarten,
wo er den alten Apfelbäumen regelrecht
den Garaus macht. Die allerletzte Frucht muss der Fresslust des Bären
zum Opfer fallen und wenn sie noch so weit oben im Geäst hängt.
Der Bär hat offensichtlich keine Feinde ausser dem Menschen.
Nur noch wenige einheimische
Jäger stellen dem Schwarzbär nach, zumal es sich um eine
wenig erbauliche Jagd handelt. Der Bär wird während Wochen
angefüttert und fällt in der Jagdsaison (Frühjahr
und Herbst) einer Gewehrkugel aus relativ naher Distanz zum
Opfer. Mit Hunden (wie etwa in den Südstaaten der USA) wird
Meister Petz hier nicht bejagt.
A propos: Hunde sind hier nur erlaubt für die Wasserjagd und
natürlich für die Jagd auf Schnepfen und Moorhühner
(Setters, Spaniel und Pointers), sowie speziell abgerichtete Laufhunde
für die (nächtliche) Jagd auf Waschbären. Im Sommer
bilden vor allem die vielen Wasserlafe Tummelplatz für die übrige
Tierwelt: Fischotter, Biber, Wasserratte, Enten, Reiher,
Haubentaucher, Eisvogel, Seeadler und viele andere mehr.
Hege und Pflege
Als Europäer und Jäger kommt man nicht darum
herum, gewisse Vergleiche anzustellen.
In Kanada beginnt die Wildnis praktisch vor der Haustüre. Die
Wälder sind von so unvorstellbarer Weite, dass an eine Waldpflege
und das Hegen des Wildes im europäischen Sinn nicht gedacht werden
kann. Dass Fallholz bleibt liegen und vermodert über die Jahre,
so es nicht oft durch Blitzschlag oder Unvorsichtigkeit des
Menschen verursacht einem Waldbrand zum Opfer fällt. Diese
Naturbelassenheit ist der Artenvielfalt in höchstem Masse förderlich.
Wenn wir in
der Schweiz das Verschwinden von Hecken und Gebüsch beklagen,
so bildet die Natur in den kanadischen Wäldern unzählige
Verstecke und Schlüpfe. Wir Europäer dürfen uns
an unseren wohlmanikürierten Wäldern und Wiesen freuen,
während im Land des Ahornblattes mittels Kahlschlag hektarenweise
gleich abgeholzt wird, unter dem Vorwand, dass sich der Selektiv-Schnitt
im kommerziellen Geschäft
nicht mehr lohnt.
Am meisten ins Gewicht fällt jedoch der Faktor Mensch. Eine der
kleinsten kanadischen Provinzen, Neu Brunswick, entlang der kanadischen
Ostküste, bietet ca. 760 000 Menschen Arbeits- und Lebensraum,
auf einer Fläche von 73 440 km2. Man vergleiche das mit der Schweiz,
wo sich rund 71/2 Mio.
Menschen auf einer Fläche von 42 000 km2 zusammendrängen.
Unser kanadisches Blockhaus befindet
sich 5 km ausserhalb der nächsten Siedlung und ist nur über
eine Naturstrasse oder auf dem Wasserweg erreichbar.
Eine kurze Einkaufstour ins Dorf birgt fast immer Begegnungen. Vor
ein paar Tagen, im Nieselregen,
versprerrte eine Elchkuh die Strasse und wollte zuerst partout nicht
Platz machen.
Ein anderes Mal ist es ein Koyote, der sich, vom Scheinwerferlicht
verfolgt, aus dem Staub macht.
Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte kühler,
lässt sich der Weisswedelhirsch mit Vorliebe in der Nähe
menschlicher Behausungen nieder. Hasen sieht man zu fast
jeder Jahreszeit, im Sommer dunkelbraun, im Winter weiss gefärbt.
Es gibt Tage im Winter mögen es Wochen sein wo
man keinen anderen Menschen zu Gesicht bekommt.
Spinnt man dieses Vergleichspiel etwas weiter, so kommt man zum Schluss,
dass in diesem grossartigen, von roher Natur geprägten Land,
die Grenzen zwischen Fauna und Flora einerseits und besiedeltem Gebiet
anderseits überfliessen. Wogegen wir in der dichtbesiedelten
Schweiz, mit Ausnahme der Bergregionen, eine klare Abgrenzung
erkennen: Hier der Mensch,dort die Natur.
Jagdethik
Ethik und die Freude an sauberer Weidmannsarbeit haben
im kanadischen Busch wenig Platz.
In Neu Brunswick werden jährlich 3000 Elche zum Abschuss freigegeben.
Die Dunkelzahl (Frevel, unkontrollierter Abschuss durch die Ureinwohner
etc.) liegt wesentlich höher.
Bei relativ niedrigen Einkommensverhältnissen, wie sie hier
vorherrschen (1996 per capita etwa 47 000 SFr.), hat frisches Wildbret
auf dem Tisch noch eine wesentlich höhere Bedeutung als bei uns
in der Schweiz. Ob auf Elch, Weisswedelhirsch, Bär, Kleintiere
oder per Fallenstellerei
auf Koyoten, Biber und Wildkatzen; es ist eine raue Jagd
welche hier betrieben wird, ohne Sentimentalität und Dekorum.
Man stelle sich eine mitteleuropäische
Jagdbläsergruppe im kanadischen Busch vor (!).
Wird in der kantonalen Jagdausbildung die schöne Weidmannssprache
sogar thematisiert, so kennt man in Kanada kaum Gleichwertiges.Es
herrschen rohe Sitten und
die Jägersprache ist dementsprechend. Letztes Jahr, im Oktober,
begegnete ich zwei lokalen Jägern. Wir hielten das unter Jägern
übliche Pow-Wow. Auf meine Frage, was die beiden denn bejagen
würden, kam die Antwort wie aus der
Schrotflinte: «If it flies, it dies» (so es fliegt, stirbt
es ....). Es herrschen harte Bräuche im kanadischen Busch, was
aber der Hilfsbereitschaft von Jäger zu Jäger oder der sprichwörtlichen
(Gast)Freundlichkeit keinen Abbruch tut.
Es liegt auf der Hand, dass bei solchen Grössenverhältnissen
eine effiziente Gesetzes-Kontrolle kaum möglich ist. Wieviele
Elche und Rotwild jährlich einer Kugel mit Absender Küchenfenster
zum Opfer fallen, sei nicht hinterfragt.
Die Jagdgesetze, für den Jäger fein säuberlich in einer
klar umrissenen Synopsis zusammengefasst, bilden die Vorgabe, die
«manpower» zur wirkungsvollen Überprüfung und
Umsetzung fehlt ganz einfach.
Das Gleiche gilt sinnesgemäss für die Hegemassnahmen zum
Schutz der Arten. Im Busch überlebt der Stärkere. Einem
starken Genpool kommt in diesen Breitengraden
noch mehr Bedeutung zu als in den Alpenländern.
Der europäische Jäger, welcher als Gast in den Weiten Kanadas
seiner Passion folgen darf, soll sich also nicht zu sehr mit
oft arg hinkenden Vergleichen aufhalten. Es gilt schlussendlich
dort, was auch in den einheimischen Jagdgründen als Regel herhält:
die Ausübung der Jagd darf nie als gegeben hingenommen werden,
sondern ist in jedem Fall und allerorts ein Privileg.
Jagdmöglichkeiten im Osten Kanadas
Wer sich schon mit dem Gedanken befasst hat, einmal in Kanada zu jagen, hat in den östlichen (Atlantik-)Regionen des Landes Möglichkeiten, von denen man hier in Europa relativ wenig hört. Montreal ist gerade mal 71/2 Flugstunden von Mitteleuropa entfernt und wird von vielen europäischen Fluggesellschaften bedient. Das Angebot ist breit, die Preise erschwinglich.Von der Drehscheibe Montreal aus (übrigens als die europäischste aller nord-amerikanischen Grossstädte angesehen, wo der Wanderer vorerst getrost einmal ein bisschen verweilt) öffnet sich alsdann für Jäger, Fischer und Begleiter eine ganze Welt von Möglichkeiten, in alle Windrichtungen und zu den abgelegensten Orten. Dieser Beitrag beschränkt sich vor allem auf die Jagdmöglichkeiten in den maritimen Provinzen Quebec und New Brunswick (meine zweite Heimat), entlang der kanadischen Ostküste und hinauf bis zum gewaltigen St. Lorenz-Strom. In der Folge einige Tipps und Hinweise:
Der Elch
Im Gegensatz zu New Brunswick bietet Quebec eine offene
Saison auf den Elch. Der sicherste Weg zur erfolgreichen Jagd führt
auch dort über einen seriösen Anbieter (Outfitter/
Guide). Gerade hier muss der Reisewillige sich vorsehen: prüfen,
vergleichen, Fragen stellen. Das ist heute per Internet wahrlich einfach
geworden. Wenn Sie selber kein Anhänger dieses Mediums sind,
dann haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis, ja, in Ihrer Jagdgruppe jemanden,
der sich damit auskennt. Und sonst fragen Sie Ihren 14-
jährigen Enkelsohn . . . er ist mit dem Internet und seinen Möglichkeiten
aufgewachsen.
Der kanadische Jagdausweis wird meistens vom Guide besorgt; dazu braucht
er die Legitimation des Jägers, also eine Kopie des entsprechenden
europäischen Gegenstücks.
Für Jungjäger, welche sich noch in der Ausbildung befinden,
genügt eine entsprechende Bestätigung, welche allerdings
mit Vorteil in einer der beiden kanadischen Amtssprachen (Englisch
oder Französisch) abgefasst sein müsste.
Sie können sich nach Ankunft das nötige Papier und die Abschussmarken
auch bei den offiziellen Stellen (Ranger Office, Fish & Wildlife
Bureau) besorgen. Das gibt sofort wertvolle Kontakte, weil die Leute
zugänglich sind, sich die
nötige Zeit nehmen und sich gerne mit den Fragen des ausländischen
Besuchers auseinandersetzen. Französisch ist die Amtssprache
in Quebec, in New Brunswick (die
einzige offiziell zweisprachige Provinz Kanadas) wird man Sie auf
Englisch und/oder Französisch bedienen.
Wie geht das nun also mit dem Elch? Wie oben erwähnt, kommen
Sie in Quebec am besten über die entsprechenden Anbieter an eine
Abschusserlaubnis. In New Brunswick
verhält es sich damit ein wenig anders: Diese maritime Provinz
(flächenmässig knapp doppelt so gross wie die Schweiz, mit
weniger als einer Million Einwohnern!), welche sich von Süden
nach Norden an den Atlantik schmiegt, im
Süden an den amerikanischen Bundesstaat Maine angrenzt und im
Westen und Norden die Grenzen mit Quebec teilt, kommen die Jäger
über ein Auslosungssystem (eine
Lotterie) an die Abschusslizenzen heran, verglichen mit nord- und
osteuropäischen Verhältnissen zu durchaus erschwinglichen
Preisen, nota bene (siehe Kasten). Der interessierte ausländische
Jäger meldet sich bis ca. anfangs April auf schriftlichem Weg;
im Internet (mit einer gültigen Kreditkarte) dauert die Transaktion
knappe fünf Minuten.
Die Einschreibegebühr beträgt 50 kanadische Dollar (zurzeit
weniger als fünfzig Franken). Dieser Betrag wird bei Nichterfolg
nicht zurückerstattet.
Ab ca. Mitte des Jahres sind die Resultate abrufbar. Wer gewinnt,
kann nun mit der Planung beginnen. Die Elchjagd findet innerhalb einer
Woche Ende September, anfangs
Oktober statt. Hier nun kommt die Rolle eines seriösen
Guide/Outfitters zum Tragen. Er muss vor Anreise des Gastjägers
die entsprechenden Vorbereitungen treffen, vor allem muss er vor Beginn
der Jagd die Elchherde orten. Der fähige Guide befindet sich
schon Wochen vorher in den Wäldern, um die brünftigen Elchstiere
mittels Lockrufen zu sichten. Die Chancen für eine erfolgreiche
Elchjagd es handelt sich für den Jäger vorwiegend
um eine Ansitzjagd
sind dann entsprechend hochprozentig. Ein Abenteuer ist es
alleweil.
Der Schwarzbär
Zwar hege ich persönlich, was den Abschuss von Schwarzbären betrifft, aus ethischen Gründen gewisse Zweifel. Ich kann aber durchaus verstehen, dass der europäische Grünrock einmal in seiner JägerLaufbahn dem ursus die Kugel antragen möchte. Kommt dazu, dass in gewissen Gegenden Kanadas der Schwarzbär fast zur Plage geworden ist und dessen Zuwachsraten zudem recht steil nach oben zeigen. Auch bei der erfolgreichen Jagd auf den Schwarzbär ist die Rolle des Guides als Vorbereiter unumstritten. Meister Petz wird zweimal im Jahr bejagt, einmal im Frühjahr (Mai), einmal im Herbst (September).
Der Weisswedelhirsch
Papa Hemingway soll von ihm gesagt haben, dass er zu
den am schwierigsten zu jagenden Spezien überhaupt gehöre.
Diese Aussage trifft heute in gewissen nordamerikanischen
Gegenden, wo die Bestände derart zugenommen haben,
kaum mehr zu, kann aber auf die immensen Wälder des kanadischen
Nordostens getrost übertragen werden. Der Weisswedelhirsch wird
z.B. in New Brunswick während
der Dauer eines Monats bejagt (ab
Mitte/Ende Oktober). Das männliche
Tier trägt eine überaus stattliche,
im Gegensatz zum europäischen
Rothirsch eher nach vorne
gerichtete Trophäe; ab dem vierten
Kopf sind vierzehn und sechzehn
Enden keine Seltenheit. Für die erfolgreiche
Jagd auf den Weisswedelhirsch
(der Gastjäger darf nur einen
männlichen Hirsch erlegen),
zahlt es sich aus, zusammen mit
dem Guide minutiöse Vorarbeit
(englisch: scouting) im Felde zu
verrichten. Die Jagd mit Hunden,
im Gegensatz etwa zur Provinz Ontario,
ist in New Brunswick nicht
gestattet, jedoch dürfen Jäger und
Guide bereits im Vorfeld der Jagdsaison
die Hirsche mit Nahrung
(beliebt sind Apfel und Mais)
anlocken. New Brunswick steht
nicht an der Tabellenspitze bezüglich
seiner Hirschbestände, erscheint
aber regelmässig am Kopf
der Ranglisten, wenn es um die
stärksten Trophäen geht.
Koyoten, Wildkatzen, Luchs, Fuchs und anderes Haarwild
sind wohl eher für die Fallen des
Trappers bestimmt. Ein europäischer
Jäger reist kaum nach Kanada,
um speziell den Koyoten zu bejagen.
Der Eastern Coyote stellt die
Verantwortlichen etlicher amerikanischer
Bundesstaaten und kanadischer
Provinzen seit Jahren vor gewaltige
Probleme, zumal sich die
Art in den letzten Jahren vermehrfacht
hat und, was schlimmer ist,
sich immer häufiger mit verwilderten
Haushunden paart, was genetisch
kein Problem zu sein scheint.
Man spricht dann im örtlichen Jargon
von sogenannten Coy-Dogs,
Kraftpakete und Kampfmaschinen,
ganz einfach ausgedrückt, welche
rein von ihrer Grösse und Vielfrässigkeit
her für die Hirschbestände
problematisch werden und auch
nicht davor zurückscheuen, im Rudel
den Elch anzugreifen. Fazit:
Wer einmal von der Möglichkeit
Gebrauch macht, in den östlichen
kanadischen Provinzen zu jagen, wird dazu angehalten, den Koyoten
bei jeder Gelegenheit zu schiessen.
Die Jagdgesetze bieten dazu
weiträumig Hand an.
Noch ein Wort zur Hasenjagd:
Hasen, obschon auch in Kanada
natürlichen Fluktuationen durch
Krankheiten unterworfen, sind allgegenwärtig
und bilden in der Nahrungskette
ein wichtiges Glied. Mit
einem gut abgerichteten Hund erlebt
man eine äusserst aktive und
interessante Jagd, gerade, wenn der
Schnee im November früh anfällt,
nur um 24 Stunden später einem
starken Regenguss wieder zum Opfer
zu fallen. Dann spielt die Natur
dem Hasen mitunter einen üblen
Streich und es kommt vor, dass
Langohr mit weisser Perücke über
die grün-braune Unterlage hopst.
Wingshooting: die Flugjagd
Bereits im August erspäht man
am frühen Morgen und vor allem
bei Einbruch der Dunkelheit an den
Wegrändern kleine dunkle Schatten:
Die ersten Flüge von Waldschnepfen
sind, mit Absender kanadische
Tundra, bei uns angekommen
und werden während einiger
Wochen in unseren Wäldern zur
Nahrungsaufnahme verweilen. Die
hohe Zeit der Flugwildjagd ist nicht
mehr fern, etwas für den Feinschmecker,
den treffsicheren,
Hand-Auge-koordinierten Kunstschützen.
Ab anfangs Oktober gesellt
sich dann die feine Jagd auf die
Moorhühner (englisch: grouse,
partridge) dazu. Diese sind im Gegensatz
zu den Waldschnepfen wetterfest
und gebietstreu und können
bis lang nach der Hirschjagd bejagt
werden. Im Oktober, wenn Ahorn,
Birke, Pappel, Buche, Esche und
Eiche zum gegenseitigen Wettkampf
ums schönste Farbenkleid
antreten, beginnt das spektakuläre
Schauspiel des Indian Summer,
eine Hochzeit für den Naturliebhaber,
Erntezeit für den Jäger, auch.
Jetzt hört man täglich das Hundegeläut,
meistens gutabgerichtete
Pointer, manchmal Setter, oft auch
etwa Spaniels und hie und da einen
ambivalenten Retriever.
Weil sich kaum ein europäischer
Jäger «nur» für die Jagd mit Flinte
und Schrot übers grosse Wasser locken lässt, zum Schluss
noch ein
ganz pfiffiger Tipp:
Cast and blast (Fliegenfischen und Flugjagd)
Auch die (Fliegen)Fischerei auf
den starken Atlantiklachs nähert
sich im Oktober seinem Höhepunkt.
Jetzt befinden sich auch die
ganz grossen Lachse im Fluss und
lassen sich mit bunten Fliegenmustern
verführen.
Warum also nicht einmal (gerade
auch mit einem oder einer
(nicht)jagenden Begleiter/in) das
Naturschauspiel des Indian Summer
erleben, dabei die leichte
zwanziger Schrotflinte und die
Fliegenrute im Gepäck mitführen
und sich einen exklusiven aber
nicht unerschwinglichen Traum erfüllen:
Eine Reise an die herbstlichverfärbte
Ostküste Kanadas, um daselbst
einen der legendären Atlantiklachse
zu bändigen und anschliessend,
in bester Gesellschaft
und tadellos betreut, ein paar Tage
im Busch auf Waldschnepfe und
Moorhuhn zu jagen. Wie die Informationen
im Kasten beweisen, ist
solches für den europäischen Naturliebhaber
nachvollziehbar und
durchaus erschwinglich.
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