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Kanada: Unendliche Wälder, vielfältige Tierwelt

Kanada – ein Traumland für jede Jägerin, jeden Jäger. Unendliche Wälder, intakte Landschaften und eine vielfältige Tierwelt zeichnen dieses Land über dem Ozean aus. Unser Korrespondent John Stucki lebt zeitweise in Kanada.

Schweizer Jäger 8/03

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Von John Stucki,
Der Sommer hier in den immensen Wäldern Kanadas ist restlos ausgefüllt mit Arbeiten im und ums Haus. Etwas Zeit bleibt dennoch, um dem in dieser Jahreszeit in die Haupt-flüsse aufsteigenden Lachs nachzustellen. Meistens frühmorgens und abends. Der Atlantiklachs kehrte dieses Jahr mit etwas Verspätung von seiner langen Reise im Nordatlantik zurück, aber dann durften sich die Sportfischer an recht zahlreichen Fängen freuen. Von diesem faszinierenden Fisch, welcher auf seiner Reise in die Laichgründe tausend Hindernisse bewältigt, vielleicht in einer späteren Ausgabe.
Mein morgendlicher Weg zum Hauptfluss führt entlang einer Naturstrasse, welche nach Regengüssen aufgeweicht ist und viele Pfützen aufweist. Hier tummeln sich im Morgengrauen und beim Einnachten die ersten Schnepfen, welche mit Vorliebe im aufgeweichten Boden nach Nahrung suchen. Diese grazilen Schnellflieger rasten auf ihrer Rückreise von der Arktis in unseren Wäldern. Bejagt werden dürfen sie nicht vor anfangs Oktober. Das Gleiche gilt übrigens für das Moorhuhn (engl. Grouse).
In den Sommermonaten führt die stolze Henne ihre Brut spazieren. Vor allem nach Regennächten beobachtet man sie dann oft an den Wegrändern, wo sie zum Nahrungsausgleich und zwecks Zuführung von lebenswichtigen Mineralien kleine Steinchen aufpicken.
Die Überlebenschance der Jungvögel beträgt wohl kaum viel mehr als 50%, die Feinde sind zahlreich und allgegenwärtig, vor allem Koyoten, Wildkatzen, Greifvögel und wildernde Haustiere. Viele der Jungen, noch nicht so flugerprobt wie die Mutter, fallen dem Verkehr zum Opfer.

Den Weisswedelhirsch sehen wir zu dieser Jahreszeit, wenn überhaupt, nur nachts. Das Territorium ist so immens, die Verstecke so dicht und die natürlichen Feinde überall.
Ende Juni durfte ich direkt unterhalb des Hauses im zum rundstück gehörenden Fluss eine Mutter mit zwei Jungen (beim Weisswedelhirsch normalerweise ein männliches und ein weibliches Jungtier) beim morgendlichen Bad beobachten. Die Kleinen gebärdeten sich wie toll und führten wahre Freudensprünge aus. Ein Leckerbissen für den stillen Beobachter.
Mehr und mehr verdrängt der Elch in unseren Breitengraden den Weisswedelhirsch. Obschon man den Elch im Sommer nicht so oft beobachten kann wie etwa während der herbstlichen Brunft, so trifft man die langbeinigen Tiere auch im Sommer ab und zu an. Zur fortgeschrittenen Abendstunde schält sich der Elch aus dem Dickicht und kommt zu den offenen Sumpfstellen und mitunter an die Flussläufe, um sich der Mücken zu entledigen, aber auch zur Wasseraufnahme.
Der Schwarzbär ist allgegenwärtig, auch wenn man ihn natürlich nicht auf Schritt und Tritt sieht.
Wir haben zu dieser Jahreszeit (Juli) einen schönen Bonus: die Pfifferlinge (Eierschwämme) spriessen so zahlreich, dass wir sie unweit unserer Behausung nicht zu suchen brauchen, sondern ganz einfach zusammenlesen können. Dabei sind wir hier etwa die Einzigen, welche Pilze sammeln; die Einheimischen (wohl aus Aberglaube) kümmern sich überhaupt nicht darum. Auch Steinpilze gehören zu unserem Menüplan. Auf einer dieser Pilzsammeltouren sehen wir dreihundert Meter vom Hause eine frische Bärenspur.
Weil der Schwarzbär sich im Sommer ziemlich territorial verhält, ist es dann jeweils eine Frage der Zeit, bis man Meister Petz begegnet. Hätten wir eine Abfallgrube, dann würde der Bär dort regelmässig anlaufen. Im September ist er aber dann ein nächtlicher Gast in unserem alten Obstgarten, wo er den alten Apfelbäumen regelrecht den Garaus macht. Die allerletzte Frucht muss der Fresslust des Bären zum Opfer fallen und wenn sie noch so weit oben im Geäst hängt. Der Bär hat offensichtlich keine Feinde – ausser dem Menschen. Nur noch wenige einheimische Jäger stellen dem Schwarzbär nach, zumal es sich um eine wenig erbauliche Jagd handelt. Der Bär wird während Wochen angefüttert und fällt in der Jagdsaison (Frühjahr und Herbst) einer Gewehrkugel aus relativ naher Distanz zum Opfer. Mit Hunden (wie etwa in den Südstaaten der USA) wird Meister Petz hier nicht bejagt.
A propos: Hunde sind hier nur erlaubt für die Wasserjagd und natürlich für die Jagd auf Schnepfen und Moorhühner (Setters, Spaniel und Pointers), sowie speziell abgerichtete Laufhunde für die (nächtliche) Jagd auf Waschbären. Im Sommer bilden vor allem die vielen Wasserlafe Tummelplatz für die übrige Tierwelt: Fischotter, Biber, Wasserratte, Enten, Reiher, Haubentaucher, Eisvogel, Seeadler und viele andere mehr.

Hege und Pflege

Als Europäer und Jäger kommt man nicht darum herum, gewisse Vergleiche anzustellen.
In Kanada beginnt die Wildnis praktisch vor der Haustüre. Die Wälder sind von so unvorstellbarer Weite, dass an eine Waldpflege und das Hegen des Wildes im europäischen Sinn nicht gedacht werden kann. Dass Fallholz bleibt liegen und vermodert über die Jahre, so es nicht – oft durch Blitzschlag oder Unvorsichtigkeit des Menschen verursacht – einem Waldbrand zum Opfer fällt. Diese Naturbelassenheit ist der Artenvielfalt in höchstem Masse förderlich. Wenn wir in der Schweiz das Verschwinden von Hecken und Gebüsch beklagen, so bildet die Natur in den kanadischen Wäldern unzählige Verstecke und Schlüpfe. Wir Europäer dürfen uns an unseren wohlmanikürierten Wäldern und Wiesen freuen, während im Land des Ahornblattes mittels Kahlschlag hektarenweise gleich abgeholzt wird, unter dem Vorwand, dass sich der Selektiv-Schnitt im kommerziellen Geschäft nicht mehr lohnt.
Am meisten ins Gewicht fällt jedoch der Faktor Mensch. Eine der kleinsten kanadischen Provinzen, Neu Brunswick, entlang der kanadischen Ostküste, bietet ca. 760 000 Menschen Arbeits- und Lebensraum, auf einer Fläche von 73 440 km2. Man vergleiche das mit der Schweiz, wo sich rund 71/2 Mio. Menschen auf einer Fläche von 42 000 km2 zusammendrängen. Unser kanadisches Blockhaus befindet sich 5 km ausserhalb der nächsten Siedlung und ist nur über eine Naturstrasse oder auf dem Wasserweg erreichbar.
Eine kurze Einkaufstour ins Dorf birgt fast immer Begegnungen. Vor ein paar Tagen, im Nieselregen, versprerrte eine Elchkuh die Strasse und wollte zuerst partout nicht Platz machen.
Ein anderes Mal ist es ein Koyote, der sich, vom Scheinwerferlicht verfolgt, aus dem Staub macht.
Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte kühler, lässt sich der Weisswedelhirsch mit Vorliebe in der Nähe menschlicher Behausungen nieder. Hasen sieht man zu fast jeder Jahreszeit, im Sommer dunkelbraun, im Winter weiss gefärbt. Es gibt Tage – im Winter mögen es Wochen sein – wo man keinen anderen Menschen zu Gesicht bekommt.
Spinnt man dieses Vergleichspiel etwas weiter, so kommt man zum Schluss, dass in diesem grossartigen, von roher Natur geprägten Land, die Grenzen zwischen Fauna und Flora einerseits und besiedeltem Gebiet anderseits überfliessen. Wogegen wir in der dichtbesiedelten Schweiz, mit Ausnahme der Bergregionen, eine klare Abgrenzung erkennen: Hier der Mensch,dort die Natur.

Jagdethik

Ethik und die Freude an sauberer Weidmannsarbeit haben im kanadischen Busch wenig Platz.
In Neu Brunswick werden jährlich 3000 Elche zum Abschuss freigegeben. Die Dunkelzahl (Frevel, unkontrollierter Abschuss durch die Ureinwohner etc.) liegt wesentlich höher.
Bei relativ niedrigen Einkommensverhältnissen, wie sie hier vorherrschen (1996 per capita etwa 47 000 SFr.), hat frisches Wildbret auf dem Tisch noch eine wesentlich höhere Bedeutung als bei uns in der Schweiz. Ob auf Elch, Weisswedelhirsch, Bär, Kleintiere oder per Fallenstellerei auf Koyoten, Biber und Wildkatzen; es ist eine raue Jagd welche hier betrieben wird, ohne Sentimentalität und Dekorum. Man stelle sich eine mitteleuropäische Jagdbläsergruppe im kanadischen Busch vor (!).
Wird in der kantonalen Jagdausbildung die schöne Weidmannssprache sogar thematisiert, so kennt man in Kanada kaum Gleichwertiges.Es herrschen rohe Sitten und die Jägersprache ist dementsprechend. Letztes Jahr, im Oktober, begegnete ich zwei lokalen Jägern. Wir hielten das unter Jägern übliche Pow-Wow. Auf meine Frage, was die beiden denn bejagen würden, kam die Antwort wie aus der Schrotflinte: «If it flies, it dies» (so es fliegt, stirbt es ....). Es herrschen harte Bräuche im kanadischen Busch, was aber der Hilfsbereitschaft von Jäger zu Jäger oder der sprichwörtlichen (Gast)Freundlichkeit keinen Abbruch tut.
Es liegt auf der Hand, dass bei solchen Grössenverhältnissen eine effiziente Gesetzes-Kontrolle kaum möglich ist. Wieviele Elche und Rotwild jährlich einer Kugel mit Absender Küchenfenster zum Opfer fallen, sei nicht hinterfragt. Die Jagdgesetze, für den Jäger fein säuberlich in einer klar umrissenen Synopsis zusammengefasst, bilden die Vorgabe, die «manpower» zur wirkungsvollen Überprüfung und Umsetzung fehlt ganz einfach.
Das Gleiche gilt sinnesgemäss für die Hegemassnahmen zum Schutz der Arten. Im Busch überlebt der Stärkere. Einem starken Genpool kommt in diesen Breitengraden noch mehr Bedeutung zu als in den Alpenländern.
Der europäische Jäger, welcher als Gast in den Weiten Kanadas seiner Passion folgen darf, soll sich also nicht zu sehr mit – oft arg hinkenden – Vergleichen aufhalten. Es gilt schlussendlich dort, was auch in den einheimischen Jagdgründen als Regel herhält: die Ausübung der Jagd darf nie als gegeben hingenommen werden, sondern ist in jedem Fall und allerorts ein Privileg.

Jagdmöglichkeiten im Osten Kanadas

Wer sich schon mit dem Gedanken befasst hat, einmal in Kanada zu jagen, hat in den östlichen (Atlantik-)Regionen des Landes Möglichkeiten, von denen man hier in Europa relativ wenig hört. Montreal ist gerade mal 71/2 Flugstunden von Mitteleuropa entfernt und wird von vielen europäischen Fluggesellschaften bedient. Das Angebot ist breit, die Preise erschwinglich.Von der Drehscheibe Montreal aus (übrigens als die europäischste aller nord-amerikanischen Grossstädte angesehen, wo der Wanderer vorerst getrost einmal ein bisschen verweilt) öffnet sich alsdann für Jäger, Fischer und Begleiter eine ganze Welt von Möglichkeiten, in alle Windrichtungen und zu den abgelegensten Orten. Dieser Beitrag beschränkt sich vor allem auf die Jagdmöglichkeiten in den maritimen Provinzen Quebec und New Brunswick (meine zweite Heimat), entlang der kanadischen Ostküste und hinauf bis zum gewaltigen St. Lorenz-Strom. In der Folge einige Tipps und Hinweise:

Der Elch

Im Gegensatz zu New Brunswick bietet Quebec eine offene Saison auf den Elch. Der sicherste Weg zur erfolgreichen Jagd führt auch dort über einen seriösen Anbieter (Outfitter/ Guide). Gerade hier muss der Reisewillige sich vorsehen: prüfen, vergleichen, Fragen stellen. Das ist heute per Internet wahrlich einfach geworden. Wenn Sie selber kein Anhänger dieses Mediums sind, dann haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis, ja, in Ihrer Jagdgruppe jemanden, der sich damit auskennt. Und sonst fragen Sie Ihren 14- jährigen Enkelsohn . . . er ist mit dem Internet und seinen Möglichkeiten aufgewachsen.
Der kanadische Jagdausweis wird meistens vom Guide besorgt; dazu braucht er die Legitimation des Jägers, also eine Kopie des entsprechenden europäischen Gegenstücks.
Für Jungjäger, welche sich noch in der Ausbildung befinden, genügt eine entsprechende Bestätigung, welche allerdings mit Vorteil in einer der beiden kanadischen Amtssprachen (Englisch oder Französisch) abgefasst sein müsste.
Sie können sich nach Ankunft das nötige Papier und die Abschussmarken auch bei den offiziellen Stellen (Ranger Office, Fish & Wildlife Bureau) besorgen. Das gibt sofort wertvolle Kontakte, weil die Leute zugänglich sind, sich die nötige Zeit nehmen und sich gerne mit den Fragen des ausländischen Besuchers auseinandersetzen. Französisch ist die Amtssprache in Quebec, in New Brunswick (die einzige offiziell zweisprachige Provinz Kanadas) wird man Sie auf Englisch und/oder Französisch bedienen.
Wie geht das nun also mit dem Elch? Wie oben erwähnt, kommen Sie in Quebec am besten über die entsprechenden Anbieter an eine Abschusserlaubnis. In New Brunswick verhält es sich damit ein wenig anders: Diese maritime Provinz (flächenmässig knapp doppelt so gross wie die Schweiz, mit weniger als einer Million Einwohnern!), welche sich von Süden nach Norden an den Atlantik schmiegt, im Süden an den amerikanischen Bundesstaat Maine angrenzt und im Westen und Norden die Grenzen mit Quebec teilt, kommen die Jäger über ein Auslosungssystem (eine Lotterie) an die Abschusslizenzen heran, verglichen mit nord- und osteuropäischen Verhältnissen zu durchaus erschwinglichen Preisen, nota bene (siehe Kasten). Der interessierte ausländische Jäger meldet sich bis ca. anfangs April auf schriftlichem Weg; im Internet (mit einer gültigen Kreditkarte) dauert die Transaktion knappe fünf Minuten. Die Einschreibegebühr beträgt 50 kanadische Dollar (zurzeit weniger als fünfzig Franken). Dieser Betrag wird bei Nichterfolg nicht zurückerstattet.
Ab ca. Mitte des Jahres sind die Resultate abrufbar. Wer gewinnt, kann nun mit der Planung beginnen. Die Elchjagd findet innerhalb einer Woche – Ende September, anfangs Oktober – statt. Hier nun kommt die Rolle eines seriösen Guide/Outfitters zum Tragen. Er muss vor Anreise des Gastjägers die entsprechenden Vorbereitungen treffen, vor allem muss er vor Beginn der Jagd die Elchherde orten. Der fähige Guide befindet sich schon Wochen vorher in den Wäldern, um die brünftigen Elchstiere mittels Lockrufen zu sichten. Die Chancen für eine erfolgreiche Elchjagd – es handelt sich für den Jäger vorwiegend um eine Ansitzjagd – sind dann entsprechend hochprozentig. Ein Abenteuer ist es alleweil.

Der Schwarzbär

Zwar hege ich persönlich, was den Abschuss von Schwarzbären betrifft, aus ethischen Gründen gewisse Zweifel. Ich kann aber durchaus verstehen, dass der europäische Grünrock einmal in seiner JägerLaufbahn dem ursus die Kugel antragen möchte. Kommt dazu, dass in gewissen Gegenden Kanadas der Schwarzbär fast zur Plage geworden ist und dessen Zuwachsraten zudem recht steil nach oben zeigen. Auch bei der erfolgreichen Jagd auf den Schwarzbär ist die Rolle des Guides als Vorbereiter unumstritten. Meister Petz wird zweimal im Jahr bejagt, einmal im Frühjahr (Mai), einmal im Herbst (September).

Der Weisswedelhirsch

Papa Hemingway soll von ihm gesagt haben, dass er zu den am schwierigsten zu jagenden Spezien überhaupt gehöre. Diese Aussage trifft heute in gewissen nordamerikanischen Gegenden, wo die Bestände derart zugenommen haben, kaum mehr zu, kann aber auf die immensen Wälder des kanadischen Nordostens getrost übertragen werden. Der Weisswedelhirsch wird z.B. in New Brunswick während der Dauer eines Monats bejagt (ab Mitte/Ende Oktober). Das männliche Tier trägt eine überaus stattliche, im Gegensatz zum europäischen Rothirsch eher nach vorne gerichtete Trophäe; ab dem vierten Kopf sind vierzehn und sechzehn Enden keine Seltenheit. Für die erfolgreiche Jagd auf den Weisswedelhirsch (der Gastjäger darf nur einen männlichen Hirsch erlegen), zahlt es sich aus, zusammen mit dem Guide minutiöse Vorarbeit (englisch: scouting) im Felde zu verrichten. Die Jagd mit Hunden, im Gegensatz etwa zur Provinz Ontario, ist in New Brunswick nicht gestattet, jedoch dürfen Jäger und Guide bereits im Vorfeld der Jagdsaison die Hirsche mit Nahrung (beliebt sind Apfel und Mais) anlocken. New Brunswick steht nicht an der Tabellenspitze bezüglich seiner Hirschbestände, erscheint aber regelmässig am Kopf der Ranglisten, wenn es um die stärksten Trophäen geht.

Koyoten, Wildkatzen, Luchs, Fuchs und anderes Haarwild

sind wohl eher für die Fallen des Trappers bestimmt. Ein europäischer Jäger reist kaum nach Kanada, um speziell den Koyoten zu bejagen. Der Eastern Coyote stellt die Verantwortlichen etlicher amerikanischer Bundesstaaten und kanadischer Provinzen seit Jahren vor gewaltige Probleme, zumal sich die Art in den letzten Jahren vermehrfacht hat und, was schlimmer ist, sich immer häufiger mit verwilderten Haushunden paart, was genetisch kein Problem zu sein scheint. Man spricht dann im örtlichen Jargon von sogenannten Coy-Dogs, Kraftpakete und Kampfmaschinen, ganz einfach ausgedrückt, welche rein von ihrer Grösse und Vielfrässigkeit her für die Hirschbestände problematisch werden und auch nicht davor zurückscheuen, im Rudel den Elch anzugreifen. Fazit: Wer einmal von der Möglichkeit Gebrauch macht, in den östlichen kanadischen Provinzen zu jagen, wird dazu angehalten, den Koyoten bei jeder Gelegenheit zu schiessen. Die Jagdgesetze bieten dazu weiträumig Hand an.
Noch ein Wort zur Hasenjagd: Hasen, obschon auch in Kanada natürlichen Fluktuationen durch Krankheiten unterworfen, sind allgegenwärtig und bilden in der Nahrungskette ein wichtiges Glied. Mit einem gut abgerichteten Hund erlebt man eine äusserst aktive und interessante Jagd, gerade, wenn der Schnee im November früh anfällt, nur um 24 Stunden später einem starken Regenguss wieder zum Opfer zu fallen. Dann spielt die Natur dem Hasen mitunter einen üblen Streich und es kommt vor, dass Langohr mit weisser Perücke über die grün-braune Unterlage hopst.

Wingshooting: die Flugjagd

Bereits im August erspäht man am frühen Morgen und vor allem bei Einbruch der Dunkelheit an den Wegrändern kleine dunkle Schatten: Die ersten Flüge von Waldschnepfen sind, mit Absender kanadische Tundra, bei uns angekommen und werden während einiger Wochen in unseren Wäldern zur Nahrungsaufnahme verweilen. Die hohe Zeit der Flugwildjagd ist nicht mehr fern, etwas für den Feinschmecker, den treffsicheren, Hand-Auge-koordinierten Kunstschützen. Ab anfangs Oktober gesellt sich dann die feine Jagd auf die Moorhühner (englisch: grouse, partridge) dazu. Diese sind im Gegensatz zu den Waldschnepfen wetterfest und gebietstreu und können bis lang nach der Hirschjagd bejagt werden. Im Oktober, wenn Ahorn, Birke, Pappel, Buche, Esche und Eiche zum gegenseitigen Wettkampf ums schönste Farbenkleid antreten, beginnt das spektakuläre Schauspiel des Indian Summer, eine Hochzeit für den Naturliebhaber, Erntezeit für den Jäger, auch. Jetzt hört man täglich das Hundegeläut, meistens gutabgerichtete Pointer, manchmal Setter, oft auch etwa Spaniels und hie und da einen ambivalenten Retriever.
Weil sich kaum ein europäischer Jäger «nur» für die Jagd mit Flinte und Schrot übers grosse Wasser locken lässt, zum Schluss noch ein ganz pfiffiger Tipp:

Cast and blast (Fliegenfischen und Flugjagd)

Auch die (Fliegen)Fischerei auf den starken Atlantiklachs nähert sich im Oktober seinem Höhepunkt. Jetzt befinden sich auch die ganz grossen Lachse im Fluss und lassen sich mit bunten Fliegenmustern verführen.
Warum also nicht einmal (gerade auch mit einem oder einer (nicht)jagenden Begleiter/in) das Naturschauspiel des Indian Summer erleben, dabei die leichte zwanziger Schrotflinte und die Fliegenrute im Gepäck mitführen und sich einen exklusiven aber nicht unerschwinglichen Traum erfüllen: Eine Reise an die herbstlichverfärbte Ostküste Kanadas, um daselbst einen der legendären Atlantiklachse zu bändigen und anschliessend, in bester Gesellschaft und tadellos betreut, ein paar Tage im Busch auf Waldschnepfe und Moorhuhn zu jagen. Wie die Informationen im Kasten beweisen, ist solches für den europäischen Naturliebhaber nachvollziehbar und durchaus erschwinglich.

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